Kreativ leben oder die Kunst, vom Macher zum Gestalter des persönlichen Lebens zu werden.

Verfasst von am 03. August 2016
Kreativ leben oder die Kunst, vom Macher zum Gestalter des persönlichen Lebens zu werden.

Als ich mit Anfang 20 das Buch „Hundert Jahre Einsamkeit“ zum ersten Mal las, war ich fasziniert und auch erschreckt von dem Aufwand, den die Familie Buendía in sechs Generationen und über einhundert Jahre betreiben muss, um ihr Dorf Macondo vor dem Zugewuchert-werden durch den kolumbianischen Dschungel zu retten. Und natürlich verliert die Familie den Kampf auch noch am Ende – das war für mich damals einfach nur ernüchternd! In meiner ahnungslosen Vorstellung von der Welt, die ich zu diesem Zeitpunkt meines Lebens noch hatte, unterstellte ich dem Autor eine unglaubliche Phantasie. Ein Gespräch mit einem Freund, der viel in Lateinamerika gereist war, machte mir klar, dass die Übermacht der tropischen Natur in Kolumbien eine tagtägliche Realität für die Menschen dort ist. Ich war von dieser Tatsache vollkommen erschüttert. Wie kann man so leben und so viel Zeit für die Bewältigung von Alltäglichem aufbringen? Das war eine riesige Frage für mich mit meiner typisch bornierten Studenten-Haltung der 80-iger Jahre. Heute – viele Jahre später und um einige Lebenserfahrung reicher – weiß ich, dass in unserem westeuropäischen Leben der täglich überbordende Alltag genauso verschlingend und vereinnahmend ist wie die „wilde Natur“ in Lateinamerika. Eben nur mental und somit oft noch viel schwerer fassbar.

„Eine Krise kann jeder Idiot haben, was uns zu schaffen macht, ist der Alltag“ Anton Tschechow

Oft wissen wir Menschen nur allzu genau, welchen Alltag wir auf keinen Fall wollen: den Hamster-im-Rad-Alltag. Und doch verbringen viele Menschen ihr Leben genau so – oft völlig frustriert, da sie kein Licht am Ende des Tunnels sehen. Um das Leben „irgendwie“ zu verbringen, müssen wir Menschen im Grunde nur morgens aufstehen und all das tun, was wir zu der Alltags-Bewältigung brauchen: Aufstehen, Einkaufen, Essen, Besorgen, Erledigen, Aufräumen, Arbeiten, Ausruhen, Sex haben, Schlafen… und dann wieder von vorne anfangen.

So gehen Tage, Wochen, Monate, Jahre und das gesamte Leben sehr schnell und ganz sicher ohne große Anstrengung vorbei. Alltag, Routine, Funktionieren, Durchalten, Weitermachen, Überleben… Und am Ende die große Sinnlosigkeit.

Der Alltag ist das, was sich anfühlt, als sei es naturgegeben. Er wächst über Jahre an und ufert dann oft scheinbar ganz unerwartet aus und wird einengend wie der Dschungel in Gabriel Garcia Marquez’s Roman. Gleichzeitig brauchen wir für unser Sicherheitsgefühl die Routine der Gleichförmigkeit und die Wiederholung des Bekannten. Das ist ein Teil des menschlichen Dilemmas – für ein lebendiges Leben brauchen wir Sicherheit und Abenteuer und das in einem ausgewogenen Verhältnis. Kommt dieses Verhältnis aus der Balance, gerät der Mensch aus dem Gleichgewicht. Dann wird die Bewältigung dieses unberechenbaren Alltags zu einer größeren Belastung als die Arbeit, die unseren Lebensunterhalt sichert. Dieses Ungleichgewicht sehe ich fast bei jedem erwachsenen Menschen. Muss das so sein? Gehört dieses fremdbestimmte Leben zum Erwachsensein? Diese Fragen gilt es sich selbst zu stellen. Und vor allem die einzig wirklich wichtige Frage gilt es sich selbst zu stellen:

Wie will ich leben?

„Der Alltag ist scheinbar das Reich der Fremdbestimmung, auch in der aufgeklärten Welt“ Frank Berzbach

Wie geht es nun, ein kreatives, erfülltes Leben zu leben? Was braucht es von jedem Menschen, um etwas mehr Selbstbestimmung in diese „Hölle der Fremdbestimmung“ (Frank Berzbach) zu bringen, bei all dem, was realistisch gesehen notwendig ist in unserer modernen Welt?

Das sind die großen Fragen, die viele Menschen umtreiben, auf die es keine gradlinigen Antworten gibt. Leider oder Gottseidank!?

Interessant ist, dass zwar alle Menschen unter dieser „misslichen Lage des Mensch-Seins“ diesem „predict-sein“, wie es im englischen heißt, leiden. Kaum jemand thematisiert diesen Missstand jedoch ernsthaft. Als ob dieses Problem höchst individuell und somit peinlich wäre. Dabei ist es zutiefst menschlich und jeder ist von dieser „Krankheit“ befallen.

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt

Jede Veränderung braucht als Grundlage eine Entscheidung, eine Neuorientierung und eine vorbereitende Ordnung.
Was will ich hinter mir lassen? Wo will ich hin? Was ist mir wichtig? Was will ich für mich und mein Leben?

Am Anfang eines kreativen Lebens steht immer die Bereitschaft (und die Notwendigkeit), sich mit sich selbst umfassend zu beschäftigen.

Selbsterkenntnis, Bewusstwerdung und Achtsamkeit sind die Anfänge.

Dafür gibt es viele Techniken. Gebraucht werden jedoch vor allem vier Dinge:

  • Entschiedenheit, Entschiedenheit und nochmals Entschiedenheit
  • Langsamkeit (in der Eile liegt die Gefahr der Rückfälligkeit)

Leben als kreative Lebenskunst

Um zu dieser grundlegenden Haltung zu kommen und diese nachhaltig zu festigen, bedarf es vor allem der LebensGestaltung. Die Kunst, das persönliche Leben zu gestalten ist lernbar und trainierbar. Sie braucht als Basis die Selbsterkenntnis und Selbstbewusstheit. Des Weiteren braucht sie stabile Antworten auf die Fragen:

Wer bin ich und was will ich wirklich für mich und mein Leben?

Beides zusammen bildet die Wurzel, die das Leben als kreative Lebenskunst verankert.

Die Fähigkeit das persönliche Leben bewusst zu gestalten ist die Essenz, die einen erwachsen Menschen von einem kindlichen Erwachsenen unterscheidet.

Was sind nun die Fähigkeiten, die eine erwachsene LebensGestaltung braucht?

1. Die Bereitschaft Prioritäten zu setzen 

Die Bereitschaft zur Prioritätensetzung ist an dieser Stelle ganz entscheidend.

  • Wer Prioritäten setzt, trifft eine Auswahl – was ist mir wirklich wichtig?
  • Wer Prioritäten setzt, übt sich in Verzicht –was ist wichtig, was ist unwichtig, worauf bin ich bereit zu verzichten?
  • Wer Prioritäten setzt, legt sich fest – wozu sage ich zu einhundert Prozent JA! und NEIN!
  • Wer Prioritäten setzt, macht etwas nach außen sichtbar – welchen ersten Schritt der Umsetzung mache ich sofort?

2. Die Konzentration auf das Wesentliche

Das Wesentliche ist oft sehr einfach und banal. Das Leben lässt sich nur dann nachhaltig verändern, wenn wir auf die kleinen und scheinbar unwichtigen Abläufe des Alltags schauen, wenn wir die kleinen Dinge entschieden anders machen und gleichzeitig die große Linie im Bewusstsein behalten. Diese Haltung hilft bei der konsequenten Veränderung im Umgang mit z.B. so großen Themen wie die Einteilung der vorhandenen Zeit (Arbeitszeit und private Zeit) sowie bei der Veränderung von festgefahrenen Beziehungs- und Alltagssituationen.

Der Geist bestimmt die Materie! – Immer wieder und immer zu – jede Sekunde aufs Neue.

Dann, wenn wir es schaffen, Stück für Stück und Schritt für Schritt mehr von dem in unserem Alltag zu etablieren, was uns am Herzen liegt, ob das nun mehr freie Zeit oder eine liebevolle Haltung zu unseren Mitmenschen ist, dann sind wir bereits dabei, unserer Leben kreativ zu gestalten.

3. Das Wesentliche zuerst 

Das einzige Zeitmanagement, was nach meiner Erfahrung nachhaltig erfolgreich ist, habe ich bei Steven Covey gefunden. In seinem Bestseller „Die 7 Wege zur Effektivität“ schreibt er als 3. Weg: Tue die wichtigsten Dinge zuerst!

Daraus habe ich den Grundsatz entwickelt. Das Wesentliche zuerst!

Wenn ich jeden Tag das, was mir wirklich wesentlich ist, als erstes am Tag mache (und wenn es nur 10 Minuten sind), sorge ich jeden Tag dafür, dass es eine Grundzufriedenheit in meinem Leben gibt. Diese gestalte ich eigenständig und für diese bin ich ganz alleine verantwortlich. Das ist aktive LebensGestaltung, die mich ganz stillschweigend kreativ sein lässt, da diese Zufriedenheit unmerklich Energie freisetzt, die mich kreativ und gleichzeitig zutiefst glücklich macht.

Kreative LebensGestaltung ist sowohl Kopfsache als auch Herzensangelegenheit!

Jeder Mensch hat das Potenzial kreativ zu sein und das persönliche Leben zu gestalten. Als Kinder waren wir alle in einer naiven Selbstverständlichkeit kreativ. Mit dem Eintritt ins erwachsene Leben droht diese natürliche Kreativität verloren zu gehen, wenn wir sie zu wenig ernstnehmen und uns ihr zu wenig zuwenden.

Nichts kommt von Nichts!

Kreativität sowie eine kreative LebensGestaltung sind lernbar und trainierbar. Wie bei einem Muskel, so wächst diese Kraft je mehr und je häufiger sie eingesetzt und genutzt wird. Wie bei einem guten Muskeltraining besteht auch beim Trainieren der Kreativität die hohe Kunst des KreativTrainings darin, möglichst effektiv und gezielt zu trainieren.

Gewusst wie! Das ist auch hier die entscheidende Devise. Gerne unterstütze ich Sie bei Ihrem individuellen Trainingsweg.

Neues Sehen!

Neue Ideen und Ansätze sind immer eine Kombination aus bestehendem Wissen, gemachten Erfahrungen und dem Mut, diese unkonventionell zu mischen.

Kreative Lösungen werden in mehreren Schritten entwickelt. Analyse, Ideenentwicklung, Auswahl und Umsetzung sind die Schritte, die dabei oft unbewusst durchlaufen werden.

Anders Denken!

Kreatives Denken und Handeln hilft uns bei der persönlichen Weiterentwicklung und Entfaltung. Wer kreativ denkt und handelt kommt besser in einer sich ständig wandelnden und unkontrollierbaren Welt zurecht. Kreativität macht flexibel und dynamisch – eine bedeutsame Eigenschaft in unserer modernen Welt, in der es ständig um Veränderungsprozesse geht.

Verantwortlich Handeln!

Kreativität unterstützt uns dabei ein Mensch zu sein, der für das Allgemeinwohl Verantwortung und Fürsorge übernimmt. Kreativität ist niemals selbstgefällig, eitel und egomanisch – sie ist zutiefst sozial und empathisch, sie ist gleichzeitig spielerisch und fürsorglich. Und das alles ohne große Worte darum zu machen.

Kreativität ist eine stille Angelegenheit

Wenn Sie mehr darüber erfahren und lernen wollen, wie Sie auf Ihre ganz persönliche Weise kreativ sind und mehr zu dem erwachsenen Menschen werden, der Sie längst schon sind, dann bin ich gerne für Sie da. Ich freue mich auf Sie.

Herzlichst

Ihre Lisa Zimmermann


Literatur zum Thema:

Gabriel Garcia Marquez: Hundert Jahre Einsamkeit
Frank Berzbach: Die Kunst ein kreatives Leben zu führen
Chris Brügger/Jiri Scherer: Denkmotor
Dr. Michael Winterhoff: Mythos Überforderung


Bildquelle: Shutterstock/Ollyy

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